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Exzerpt Shanghaiwalks – Chinesenstadt

Von Ute Haelbich

Bis heute sind noch einige ursprüngliche Straßenzüge der alten Chinesenstadt – wie die Kolonialherren sie nannten – erhalten. Viele Jahre lang konnte der Bauboom der alten Chinesenstadt nichts anhaben. Doch seit einigen Jahren wird sie systematisch abgerissen. Ganze Häuserzeilen wurden bereits abgerissen. Stattdessen sieht man nun hoch in den Himmel ragende Wolkenkratzer. Inzwischen kann man hier fast täglich Veränderungen sehen.

Bei einem Spaziergang einiger Straßen und Gassen können wir noch erahnen, wie das Leben hier früher war. Noch immer kann man teilweise Handwerker sehen, die vor windschiefen Häusern ihre Arbeit feilbieten. Noch gibt es die Garküchen, Gemüsehändler und Kleinwarenhändler. Noch sieht man Wäsche zum Trocknen aufgehängt auf öffentlichen Sportgeräten und anderswo.

Bei schönem Wetter ergibt das mitunter ein trügerisches Bild einer einzigartigen Idylle. Trügerisch, weil die meisten Häuser marode sind. Die Bewohner leben in beengten Wohnverhältnissen. Häufig klettert der Schimmel an den feuchten Wänden hoch und sanitäre Anlagen sind in der Regel nicht vorhanden. Dennoch freut sich bei weitem nicht jeder Anwohner über die Zwangsumsiedelung. Denn viele von ihnen sehen ihre sozialen Kontakte und die damit verbundene Sicherheit schwinden. Andere hingegen freuen sich, nunmehr in besseren hygienischen Verhältnissen zu wohnen, fließend Wasser zu haben und in einem klimatisierten Appartement zu wohnen, das im Winter sogar beheizt werden kann …